Stromspeicher nachrüsten: lohnt sich das bei einer bestehenden Anlage?
Viele Anlagen im Münchner Westen laufen seit Jahren ohne Speicher – und speisen den Großteil ihres Stroms für vergleichsweise wenig Geld ins Netz ein. Angesichts gestiegener Strompreise stellt sich die Frage neu: Lohnt es sich, einen Speicher nachzurüsten? Technisch geht das fast immer. Ob es sich rechnet, hängt an wenigen Faktoren.
Das Wichtigste in Kürze
- Nachrüsten ist bei praktisch jeder bestehenden Anlage möglich.
- AC-gekoppelte Speicher sind im Bestand der Regelfall – der vorhandene Wechselrichter bleibt.
- Ohne Speicher liegt der Eigenverbrauch meist bei rund 30 Prozent, mit Speicher bei etwa 70.
- Als Faustregel gilt etwa 1 kWh Speicher je 1.000 kWh Jahresverbrauch.
- Je näher das EEG-Ende, desto stärker spricht die Rechnung für einen Speicher.
AC oder DC: welcher Weg im Bestand passt
Bei einer Neuanlage wird der Speicher meist DC-seitig eingebunden – er hängt direkt am Gleichstromkreis der Module und teilt sich den Wechselrichter. Das ist effizient, setzt aber einen dafür ausgelegten Hybridwechselrichter voraus.
Im Bestand ist die AC-Kopplung der übliche Weg: Der Speicher bekommt einen eigenen Batteriewechselrichter und wird auf der Wechselstromseite angeschlossen. Ihre vorhandene Anlage bleibt unangetastet und läuft weiter wie bisher. Der Umbauaufwand ist gering, die Anlage muss nicht neu konfiguriert werden.
Der Preis dafür sind geringfügig höhere Umwandlungsverluste, weil der Strom einmal mehr gewandelt wird. In der Praxis fällt das gegenüber dem Gewinn an Eigenverbrauch kaum ins Gewicht.
Steht ohnehin ein Wechselrichtertausch an – nach 12 bis 15 Jahren nicht ungewöhnlich – kann ein Hybridgerät die elegantere Lösung sein.
- AC-Kopplung: eigener Batteriewechselrichter, Bestandsanlage bleibt unverändert
- DC-Kopplung: effizienter, braucht passenden Hybridwechselrichter
- Anstehender Wechselrichtertausch ist ein guter Zeitpunkt für DC
Die richtige Größe
Ein zu großer Speicher ist der häufigste Fehler. Kapazität, die nie vollständig genutzt wird, kostet Geld, bringt aber keinen zusätzlichen Eigenverbrauch. Als Orientierung hat sich bewährt: etwa 1 kWh nutzbare Kapazität je 1.000 kWh Jahresstromverbrauch.
Ein Haushalt mit 4.500 kWh Verbrauch fährt mit rund 4 bis 6 kWh gut. Kommt eine Wärmepumpe oder ein Elektroauto dazu, verschiebt sich das nach oben – aber nicht proportional, weil beide Verbraucher sich gut steuern lassen und den Strom oft direkt nutzen, statt ihn zwischenzuspeichern.
Entscheidend ist die nutzbare Kapazität, nicht die Bruttokapazität auf dem Datenblatt. Der Unterschied kann zehn Prozent und mehr betragen.
Wann sich die Nachrüstung besonders lohnt
Der wirtschaftliche Kern ist einfach: Jede selbst genutzte Kilowattstunde spart den vollen Strompreis. Jede eingespeiste bringt nur die Einspeisevergütung – und die liegt bei älteren Anlagen zwar oft höher als heute, bei neueren aber deutlich unter dem Bezugspreis.
Besonders deutlich wird die Rechnung bei Anlagen, deren EEG-Vergütung ausläuft. Nach 20 Jahren plus Inbetriebnahmejahr endet die garantierte Vergütung; was danach für eingespeisten Strom gezahlt wird, ist meist gering. Ab diesem Punkt ist Eigenverbrauch fast immer die bessere Verwertung.
Auch ein verändertes Verbrauchsverhalten spricht fürs Nachrüsten: Wer eine Wärmepumpe einbaut oder auf ein Elektroauto umsteigt, hebt seinen Strombedarf deutlich – und damit den Wert jeder gespeicherten Kilowattstunde.
Was vorher geprüft werden muss
Wir schauen uns vor jedem Nachrüstprojekt drei Dinge an: Alter und Zustand des vorhandenen Wechselrichters, Aufbau der Unterverteilung und den Platz für den Speicher samt Anforderungen an Temperatur und Brandschutz.
Der Aufstellort ist im Bestand oft der eigentliche Engpass. Speicher mögen keine Frostkeller und keine überhitzten Dachböden. Ein trockener, frostfreier Raum mit Zugang zur Verteilung ist ideal – Hauswirtschaftsraum oder Technikraum.
Die Erweiterung ist dem Netzbetreiber anzuzeigen. Das übernehmen wir mit, ebenso die Aktualisierung des Eintrags im Marktstammdatenregister.
Häufige Fragen
Kann ich jeden Speicher zu jeder Anlage nachrüsten?
Technisch ist eine AC-gekoppelte Nachrüstung bei praktisch jeder Anlage möglich, unabhängig vom Hersteller der Module. Bei DC-Kopplung muss der Wechselrichter dafür ausgelegt sein.
Wie groß sollte der Speicher sein?
Als Faustregel etwa 1 kWh nutzbare Kapazität je 1.000 kWh Jahresverbrauch. Größer ist selten wirtschaftlicher, weil ungenutzte Kapazität keinen zusätzlichen Eigenverbrauch bringt.
Lohnt sich ein Speicher bei einer alten Anlage mit hoher Einspeisevergütung?
Solange die hohe Vergütung läuft, ist die Rechnung oft knapp. Je näher das Ende der 20-jährigen Vergütungsdauer rückt, desto klarer spricht sie für den Speicher.
Muss die Nachrüstung angemeldet werden?
Ja, die Erweiterung ist dem Netzbetreiber anzuzeigen und der Eintrag im Marktstammdatenregister zu aktualisieren. Beides übernehmen wir.
Wo wird der Speicher aufgestellt?
In einem trockenen, frostfreien Raum ohne Hitzestau, möglichst nahe an der Unterverteilung. Hauswirtschafts- oder Technikräume sind typisch.
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